Liebe Gemeinde,

 

Der Predigttext im Lukasevangelium wird mit den Worten „Verlust von Geborgenheit“ überschrieben.

In den vergangenen Tagen, haben wir so einige Verluste erlebt. Verlust von Alltäglichem. Die Schulen und KiTas schließen ab Montag Ihre Türen. Der Busverkehr wird auf ein Minimalmaß eingeschränkt, welche Geschäfte morgen noch öffnen werden, werden wir wohl erst morgen erfahren.

Die Freiheit uns als Kirchengemeinde zum Gottesdienst zu treffen.

Auch sonst sollen wir uns einschränken. Möglichst keine persönlichen Kontakte zurzeit pflegen. Eher mal zum Telefon greifen, eine Email schreiben, oder sogar einen Brief. Für die Jüngeren unter uns, die Post versendet nicht nur Werbung, Einkäufe und Rechnungen und Mahnungen, sondern auch persönliche Worte.

Die Einschränkungen von denen Jesus im Lukasevangelium redet, liegen nicht in den wohl durchdachten Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung einer Pandemie, sondern sollen allen die von seinen Worten und Werken hören klar machen, dass es auch Konsequenzen hat, Jesus zu folgen.

Drei Konsequenzen listet er auf.

  1. Keine sichere Bleibe
  2. Laß die Toten ihre Toten begraben, du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
  3. Wer seine Hand an den Pflug legt, und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes!

 

Wo die Füchse noch Ihre Gruben haben, die Vögel ihre Nester, da bleibt demjenigen der Jesus folgt, genau wie ihm, keine sichere Bleibe.

Dem englischen Sprichwort folgend „My home is my castle“ haben wir uns unsere Wohnungen und Häuser zu sicheren Rückzugsorten gemacht. Gemütlich eingerichtet und uns Orte geschaffen, an denen wir gerne sind. Dieser Luxus ist denjenigen nicht zugedacht, die Jesus ernsthaft nachfolgen wollen. Er als Wanderprediger zieht von einem Ort zum nächsten. Lebt sozusagen von der Hand in den Mund. Ein Leben, das uns  so in aller Regel nicht in den Sinn kommt, höchstens vielleicht für einen Abenteuerurlaub.

Gerade jetzt in den Tagen von Corona werden wir in den nächsten Wochen viel Zeit in unseren Wohnungen und Häusern verbringen. Die Gemütlichkeit wird uns vielleicht sogar erdrücken und der Wunsch groß werden, einfach mal wieder ungezwungen und unbedacht hinaus zu gehen, anderen zu begegnen. Gerade in den nächsten Wochen werden wir spüren, wie wichtig Gemeinschaft für uns Menschen ist. Warum Jesus so viel Wert auf den direkten Kontakt zu den Menschen legte. Zu denen hinging, zu denen sonst keiner ging. Warum Gott selbst zu uns Menschen hautnahen Kontakt in Jesus gesucht hat und uns berufen hat, ihm nachzufolgen.

Wir stehen in den kommenden Tagen und Wochen gemeinsam vor der Herausforderung unsere Gemeinschaft trotz aller Einschränkungen, Verlust von Geborgenheiten und Sicherheitsmaßnahmen lebendig zu halten. Wir werden uns vielleicht nicht in Gottesdiensten sehen, nicht in großen Gruppen und Kreisen zusammenkommen, seltener Besuchen können, aber wir werden nicht müde werden, füreinander da zu sein und miteinander den Weg durch die Passionszeit zu gehen. Nur halt ganz anders als gewohnt und geplant. Jesu Worte des heutigen Predigttextes weisen darauf hin, zwar unter ganz anderen Umständen, dass ihm nachzufolgen, genau dies bedeutet: gewohnte und geplante Wege verlassen und offenen Blickes und Herzens zu werden und zu bleiben um Neue Wege zu gehen, die uns zueinander führen und damit auch zu Gott.

In den nächsten Tagen und Wochen haben wir unsere sichere Bleibe und darüber hinaus mit den heutigen technischen Möglichkeiten auch unsere Gemeinschaft. Wir können miteinander telefonieren, wir können einander Emails und Briefe schreiben und wir werden auch Neues entdecken um füreinander da zu sein.

Abseits von aller Hysterie und Panik, bleibt uns schließlich auch noch das Besinnen an alten guten Wegen. Einen möchte ich Ihnen zum Abschluss noch mitgeben – Beten.

 

Lebendiger Gott,

ich möchte dir danken, dass ich ein sicheres Dach über meinem Kopf habe.

ich möchte dir danken für meine Familie,

ich möchte dir danken für meine Freunde

ich möchte dir danken.

 

aber Gott, ich muss dir auch sagen, dass ich Sorgen habe.

Ich sorge mich um diejenigen, die gerade nicht sicher und geborgen sind.

Die in diesen Tagen auf den gefahrvollen Wegen der Flucht sind.

Die in diesen Tagen, auf die Barmherzigkeit anderer angewiesen sind.

Ich bitte dich, sende deinen Heiligen Geist,

dass er ihren Mut stärke und bewahre,

dass er die Herzen derer, denen sie begegnen weich und offen mache.

 

Ich sorge mich um diejenigen, die in diesen Tagen erkranken.

Ob an Corona oder an einer der vielen anderen Krankheiten.

Sende deinen Heiligen Geist,

dass sie spüren, dass sie nicht alleine sind,

dass diejenigen, die sich um sie kümmern nicht ihre Kraft und ihren Mut verlieren.

 

Ich bitte dich Gott,

sende Deinen Heiligen Geist zu uns allen,

dass wir dran bleiben dir zu vertrauen und auf dich zu hoffen.

Dass wir dran bleiben einander zu sehen, füreinander da zu sein und miteinander einstimmen

in den Worten deines Sohnes Jesu Christi

 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.

Ich wünsche Ihnen Gottes reichen Segen und eine gesunde Woche.

Ihr Pfarrer Stefan Föste

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