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Lätare - 22.03.20

Liebe Gemeinde,

seit nunmehr einer Woche spüren wir zunehmend die Auswirkungen und Einschränkungen der Corona-Pandemie. Als Kirchengemeinden schmerzt es uns besonders, nicht zu Gottesdiensten zusammenkommen zu können. Auch, dass wir einander nicht mal eben besuchen können, oder in kleineren oder auch größeren Gruppen Zeit miteinander verbringen können, fällt schwer.

Es ist uns Menschen nun mal so zu eigen, dass wir gerne in Gesellschaft sind, und für uns als Gemeinde, ist es ja auch so, dass in gelebter Gemeinschaft sich unser Glaube in voller Breite entfaltet. Wo zwei oder drei, in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen, spricht Jesus. Gut, wenn man dieser Tage nicht alleine ist, sondern in häuslicher Gemeinschaft diese Zeit übersteht.

Besonders für die, die derzeit aber alleine sind, ist es unsere Pflicht und Aufgabe sie nicht vereinsamen zu lassen. Die Beratungsangebote unserer Seniorenbüros, die Telefone von Frau Jürgens und mir sind erreichbar. Gerne hören wir zu, über Sorgen und Ängste, über Alltägliches, über das, was gerade oben auf liegt.

In der Lesung des Alten Testaments reagiert Gott auf das Gefühl seines Volkes Israel allein gelassen zu sein, und zwar von ihm. Gott-Verlassen in Zeiten der Not. Der Heimat beraubt, der einfache Gang in den Tempel verwehrt. Den Nachbarn nicht mehr mal eben besuchen können, vieler Freiheiten als unterworfenes Volk beraubt.

Dem Propheten Jesaja sind hier Worte Gottes gegeben, die die Rückkehr nach Israel bereiten. Die Rückkehr in eine gewisse Normalität. Eine Rückkehr in eine Normalität, auf die wir noch warten müssen. Doch sie wird kommen. Die gewohnten Freiheiten werden wiederkehren, doch bis dahin, heißt es die Zeit zu gestalten und zu durchstehen.

Gott spricht seinem Volk seine Treue zu. Erinnert sie daran, dass er einst zugeschworen hat:

1Mo 8,22 Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Dies geschah nach der Sintflut. Als Gott mit großem Regen und Getöse Tabula Rasa mit seiner Schöpfung gemacht hat - Einen gewaltigen Neuanfang mit denen, die in der Arche waren.

Gott erinnert daran, dass dieser Bund bestand hat, auch und gerade wenn der Mensch das Gefühl hat, dass Gott gerade echt weit weg ist, und sich nicht um die Menschen schert. An dieses Versprechen knüpft der Osterbund Gottes an und übertrifft ihn noch um ein Vielfaches.

Denn nicht nur in der Not, nicht nur in Bedrängnis, Einsamkeit und erlebter Gewalt, sondern gerade auch im Sterben und im Tod, bleibt Gottes lebendige Gegenwart spürbar und mächtig und überwindet  mit Ostern den Tod durch das Ewige Leben.

 

Die Worte Gottes, die er durch seinen Propheten Jesaja verkündet, erinnern an den Bund Gottes, den er mit Noah nach der Sintflut schließt.

Mich erinnern sie diese Tage aber besonders, an die Tage der Sintflut. Dicht gedrängt, mit allerlei Tieren ist die Familie um Noah. Alle mit ihren Sorgen und Nöten. Beinahe wie die Stachelschweine in Arthur Schopenhauers gleichnamiger Fabel:

»Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich, an einem kalten Wintertage, recht nahe zusammen, um, durch die gegenseitige Wärme, sich vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln; welches sie dann wieder voneinander entfernte. Wann nun dieses Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammen brachte, wiederholte sich jenes zweite; so dass sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung von einander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten.«
Arthur Schopenhauer (1874)

Denn auch diejenigen von uns, die diese Tage in häuslicher Gemeinschaft verbringen, mögen zwar nicht allein sein, doch auch sie stehen in einer besonderen Situation. Zusammenleben, zum Teil auf engen Raum. Die Kinder können nicht mal eben auf den Spielplatz geschickt werden, die Jugendlichen sich nicht im Sportverein auspowern und in Schule mit ihren Freunden austauschen. Die Eltern können oftmals nicht an der Arbeit sein.

Da kann die laute Musik aus dem Jugendzimmer, das Geschrei aus dem Kinderzimmer schnell zu einem Stachel werden. Aber auch die Sorgenfalten der Eltern, die Dünnhäutigkeit angesichts von Fragen uns Sorgen ohne Antworten.  Und alle haben derzeit ihre Sorgen und Nöte.

Wie geht’s mit der Schule weiter. Wie sieht es mit Abitur und Prüfungen aus. Welche Nachteile werde ich haben?

Wie kann die Familie diese Zeit finanziell überstehen? Ist mein Arbeitsplatz sicher? Wie übersteht es meine Firma, in den nächsten Wochen vielleicht Monaten keine Umsätze zu haben?

Wie geht es Oma, Opa? Wann können sich Großeltern und Enkelkinder wiedersehen und herzen?

Die Stachelschweine finden in der Fabel das Rechte Mittel zwischen Nähe und Distanz. Wir sind derzeit in Nähe und Distanz gezwängt, die wir uns momentan nicht selbst aussuchen können. Aber wir können Einfluss darauf nehmen, wie wir diese Nähe und Distanz gestalten. Wir können sozusagen unsere eigenen Stachel ein bisschen mit Watte abpolstern, und vielleicht auch in aller Enge versuchen dem anderen Mal zwischendurch Räume geben.

Einmal tief durchatmen, bevor wir auf das Musikgetöse aus dem Jugendzimmer reagieren, die Musik über Kopfhörer hören, wenn Mutter und Vater miteinander reden müssen, mal bei Oma und Opa anrufen.

Einfach wird es nicht in den nächsten Tagen und Wochen, doch auch Noahs Fahrt durch die Sintflut fand ein Ende, und auch diese Zeit wird vorübergehen. Am Ende von Noahs Fahrt stand der Regenbogen, bunt, hell und leuchtend. Als Erinnerung, als Zeichen, dass Gott uns nicht verlässt, als Zeichen und Erinnerung, dass wir füreinander in diesen Zeiten da sind.

Ihr Pfarrer Stefan Föste

 

Lieder zu Lätare

Wenn Sie zwischen den Texten Lieder hören mögen, so finden Sie im Folgenden Links zu Youtube mit Liedern, die ich beim Lesen und Schreiben im Ohr hatte.

 

 

Zum Sonntag Lätare

 

Holz auf Jesu Schulter EG 97

 

 

zu Psalm 84

 

Bewahre uns Gott, Behüte uns Gott EG 171

 

 

Zu Johannes 12

 

Korn, das in die Erde EG 98

 

 

Zu Jesaja 54

 

Gott gab uns Atem, damit wir leben

 

 

Zum Abschluss

 

Freunde, dass der Mandelzweig EG 659

 

 

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