Geistlicher Impuls zum Sonntag Misericordias Domini Hirtensonntag (26.04.2020) von Vikarin Andrea Ulferts  
Heute ist der zweite Sonntag der österlichen Freudenzeit. Er heißt auch Hirtensonntag. Jesus Christus, der uns ein Vorbild zur Nachfolge hinterlassen hat, steht dabei im Mittelpunkt. Aber ist die Nachfolge Jesu eigentlich zu schaffen? Ist das Leben, so wie Jesus es uns vorgelebt hat in der Nachfolge erfüllbar? Vielleicht bleiben die vorbildhaften Fußspuren Jesu immer ein paar Nummern zu groß für unsere Füße.  
Im Text des 1. Petrusbriefes steht dazu Folgendes:  
Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der unsere Sünden selbst hinaufgetragen hat, an seinem Leib auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden, denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.  
Das Motiv des Hirten kommt hier deutlich zum Vorschein. Die irrenden Schafe sind umgekehrt und wenden sich ihrem Hirten zu. Oft genug scheint es zu schwierig zu sein das Richtige zu tun oder sogar Gutes zu tun. Am Maßstab des christlichen Handelns, so wie Jesus es vorgemacht hat, sollen wir uns ausrichten und orientieren. Er hat uns einen Katalog mit Handlungsempfehlungen gegeben, wenn Sie so wollen. Doch bei aller Prominenz dieser Worte in Zeiten der CoronaKrise, es sind wohl mehr als Empfehlungen. Für den Hirten Jesus Christus geht es damals wie heute nicht nur um ein anempfohlenes Handeln, sondern um eine radikale Haltung aus Liebe zum Leben.  
Radikal ist diese Haltung deshalb, weil die Liebe Gottes den Menschen in die Verantwortung und Verpflichtung nimmt, dass Leben anzunehmen und in den guten wie schwierigen Zeiten zu meistern. Um dabei aber eben auch ein gelingendes Leben zu führen, gibt Jesus sich uns als Vater und Hirte. Der Herr kennt die Seinen und wie es im heutigen Wochenspruch Christus spricht: Ich bin
der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir und ich gebe ihnen das ewige Leben (Joh 10,11a.27-28a)
Wer einen christlichen Glauben hat, weiß um die Gabe und Aufgabe, die damit zusammenhängt. In der Nachfolge Jesu stehen zu dürfen, worauf die Gabe des Glaubens an Gott verweist, ist zunächst ein unendlich schönes Geschenk – eine Gabe. Damit ist auch die Gabe des ewigen Lebens geschenkt. Und unter diesem Glaubenswissen das Leben im Hier und Jetzt zu gestalten ist ebenso kostbar wie das Geschenk des Glaubens selbst. Im Grunde ist es wie ein Dominoeffekt. Aus dem Glaubensgeschenk wachsen auch Taten des Glaubens. Und weil der Glaube von Gott selbst im Menschen bewirkt wird und sich von Gott her verdankt, gestaltet der Mensch von da an das Leben im Sinne Gottes. Dieser Sinn des Glaubens ist auch verbunden mit dem Sinn des Lebens. Und so viel verwendet dieses Wort auch scheinen mag, der Sinn besteht in den Taten der Liebe. Die Liebe Gottes ist die Kernbotschaft des Evangeliums. Denn auch die holprigen oder leidvollen Phasen im Leben sind durch die Liebe erträglich. Die Liebe trägt uns in unserem Leben. Die Liebe Gottes ist daher mehr als eine Handlungsempfehlung, sondern der wohl wichtigste Gehalt des christlichen Glaubens, Lebens und Handelns. Und durch diese gottgewirkte Liebe war und ist es möglich, Jesus nachzufolgen. Auch wenn die Fußstapfen Jesu womöglich immer zu groß bleiben werden, so kann es uns doch auch ein geschützter Rahmen sein, wenn wir uns in seinen Fußstapfen bewegen. Wir können nicht aus der Liebe Gottes herausfallen. Und wir können durch den Glauben und die Hinwendung zu Gott nicht aus diesen Fußspuren hauraustreten. Die Liebe ist die schönste Gabe des Lebens und als Aufgabe auch eine Verpflichtung zu Verantwortung.  
Amen. 

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