Die „Christengemeinschaft“ aus der Sicht der evangelisch-lutherischen Kirche

Die Christengemeinschaft (= CG) entstand am Beginn des vorigen Jahrhunderts unter dem besonderen Einfluss des Philosophen Rudolf Steiner (1861-1925), der mit Hilfe seiner Anthroposophie die Menschen zur „Erkenntnis höherer Welten“ führen wollte. Seine Anhänger folgten bald seinem esoterischen Welt- und Menschenbild. Für das Entstehen einer anthroposophisch geprägten Glaubens- gemeinschaft war dann vor allem der frühere evangelische Pfarrer Friedrich Rittelmeyer verantwortlich. Alle Priester der Gründergeneration sind über die Anthroposophie und die Unterweisung Steiners zur CG gekommen.

Steiner verfasste für die CG ein „Bekenntnis“ und entwickelte einen „erneuerten Kultus“, in dem Texte verwendet werden, die Steiner angeblich aus der „geistig-göttlichen Welt … auf die Erde herunter geholt“ hat. So versteht sich die CG bis heute in erster Linie als Kultusgemeinschaft: „Die gemeinsame kultische Handlung ist es, die die Glieder dieser Kirche ohne Dogmen zusammenschließt.“ Zwar wird immer wieder die Glaubens- und Lehrfreiheit von den Anhängern der CG betont, jedoch sind ihre Priester streng an den Kultus und das ihm zugrunde liegende Denken gebunden. Gottesdienst, Architektur, Priesterausbildung und Schrifttum sind weiterhin wesentlich durch die Lehren Steiners geprägt.

In der CG feiert man sieben Sakramente. Besonders das eigenwillige Taufverständnis der CG hat immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen geführt. Hier handelt es sich um ein anthroposophisches Ritual, bei dem dem Kind mit Wasser in Dreieck auf die Stirn, mit Salz ein Viereck auf das Kinn und mit Asche ein Kreuz auf die Brust gezeichnet wird. Die Substanzen Wasser, Salz und Asche sollen der „inkarnierten Seele“ ein Stück Erde vermitteln.

Bereits 1949 beschloss der Rat der EKD, „die in der Christengemeinschaft vollzogene Taufe nicht als christliche Taufe anzuerkennen und eine Klärung der Abgrenzung der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Gliedkirchen von der Christengemeinschaft mit geistlichen und seelsorgerlichen Mitteln herbeizuführen“. 1950 brachte der Rat der EKD zum Ausdruck, dass auch das Verständnis von Christus, wie es in der CG gelehrt wird, nicht identisch ist „mit dem Jesus Christus der Bibel, wie ihn der gemeinchristliche Konsensus der Kirchen sieht“.

Ein weiteres Problem stellt die „geistige Schau“ Steiners dar, die als „neue Offenbarungsquelle“ verstanden wird und die bspw. die hinduistische Lehre von Karma und Reinkarnation aufnimmt. Wegen dieser Sonderlehren ist die CG bis heute weder in den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) noch in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) aufgenommen worden.

Pastor Jens Teuber

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